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La Calle de los Campos Perdidos

La Calle de los Campos Perdidos (Die Straße der verlorenen Felder) setzt sich mit den Lebensumständen der Bevölkerung urbaner Randzonen auseinander. In dem Jahrzehnte dauernden Bürgerkrieg in Kolumbien wurden fast sieben Millionen Menschen vertrieben. Viele der Binnenflüchtlinge leben in den wachsenden wachsenden Peripherien der Großstädte Kolumbiens. In Aqua Blanca, einem Stadtteil Calis, ist eine Ankunftsstadt in der vor allem Afrokolumbianer leben. In Zusammenarbeit mit BewohneiInnen, MenschenrechtsaktivistInnen und KunststudentInnen wurde eine soziale Kartografierung vorgenommen, die partizipativ als Wandbild umgesetzt wurde.

 

Mojica – Ausgangssituation

Mojica ist ein Stadtteil von Agua Blanca an der Peripherie der 2,5 Millionen Stadt Cali. Sowohl Cali als auch Mojica zählten über viele Jahre zu den gefährlichsten Orten der Welt.  Rivalisierende Banden, die oft im Drogengeschäft tätig sind üben Gewalt offen aus.
Vor 40 Jahren kamen die ersten Siedler aus ländlichen Regionen im Südwesten Kolumbiens an. Der Name Mojica stammt vom Besitzer des Landes, der die Grundstücke an die Siedler verkaufte. Die Siedlung entstand auf einer grünen Fläche. Die Gründer der Siedlung berichten, dass es kein fließendes Wasser gab, das Abwasser floss in Latrinen an den Hütten vorbei. Es gab auch keinen Strom und keine Straßen. Bei starkem Regen floss das Wasser in die provisorischen Häuser. Heute ist Mojica ein suburbaner Stadtteil mit zwei- bis dreistöckigen Häusern. In ihm leben drei Generationen überwiegend Afrokolumbianer. Der Stadtteil trägt auch den Beinamen Afromojica. Es gibt keine genauen Zahlen über die Anzahl der Menschen, die in dem Viertel leben.

 

Die Umfrage

Die ersten beiden Wochen des Projektes dienten zum Kennenlernen und boten Gelegenheit, sich mit den Besonderheiten Mojicas vertraut zu machen. Einige Tage und Nächte wurden in Mojica verbracht. Durch die herzliche  Gastfreundschaft einiger Bewohner konnten Einblicke in den Lebensalltag der Bewohnerinnen und Bewohner gewonnen werden.
Es wurde eine qualitative Umfrage durchgeführt. Sie beinhaltete Fragen nach der Herkunft, den persönlichen Erinnerungen sowie Wünschen der Bewohner Mojicas. Auf die Frage, was sie im Viertel ändern würden, nannten Teilnehmerinnen und Teilnehmer aller drei Generationen den Wunsch nach mehr Sicherheit und weniger Gewalt. Weiterhin wurde von der ersten und zweiten Generation der Wunsch nach besseren Bildungschancen und Arbeitsperspektiven benannt. Die Altersgruppe der 15-20 Jährigen ist am stärksten vom Bildungs- und Jobmangel betroffen. Fehlende schulische Bildung erschwert zusätzlich die Möglichkeiten einer beruflichen und individuellen Lebensgestaltung.
Außerdem wurden von allen Teilnehmern der Wunsch nach mehr Grün- und Parkflächen im Viertel genannt.

 

Der Workshop „Cartografia Social“

In einem weiteren Schritt wurden die Informationen der Umfrage für einen Workshop aufbereitet. An dem Workshop nahmen Vertreter der Fundacion Nacederos, Frauen der lokalen Textilwerkstatt, KunststudentInnen des Institutes de Bellas Artes sowie die Organisatoren des Projektes teil.
Im  ersten Schritt des Workshops wurden die Teilnehmer gebeten, auf einem weißen Blatt Papier  eine mentale Landkarte zu zeichnen. Aus der Erinnerung sollten die Lage des Stadtteils, seine Begrenzungen sowie die Anzahl der Straßen und Häuserblöcke skizziert werden. Außerdem sollten charakteristische Orte, die sowohl auf Probleme als auch auf positive Veränderungen hinweisen, lokalisiert werden.
Im zweiten Schritt wurden die individuellen Erinnerungskarten auf eine schematische Karte Mojicas übertragen. Dabei wurden in Gruppenarbeit Orte der Identifikation wie das eigene Haus, der Ort der Stiftung, der Park und Geschäfte lokalisiert. Ein Sprecher jeder der vier Arbeitsgruppen erläuterte den Teilnehmern des Workshops die Lokalisierung spezieller Orte der Erinnerung und Gegenwart.
Im dritten Schritt wurden Wünsche und Ideen für ein antizipatives neues Mojica entwickelt. Als Grundlage dienten Begriffe und Themen aus der qualitativen Umfrage, die von den Teilnehmern in Gruppenarbeit verwendet wurden. Darüber hinaus bestand die Möglichkeit, neue Begriffe hinzuzufügen. Die Verortung spezieller Begriffe schärfte ein Problembewusstsein für die gegenwärtigen und künftigen Herausforderungen des Barrios. Die Aufgabenstellung bestand  in einer positiven Darstellung, um Impulse und neue Wege aufzuzeigen. Dem Ruf Mojicas  als ein Ort mit hoher Gewalt-, Drogen- und Bandenkriminalität sollte etwas Positives entgegengesetzt werden. In einer abschließenden Präsentation wurden die Begriffe, die für eine positive Veränderung stehen, vorgestellt und mit allen Workshopteilnehmern diskutiert. Aus den Ergebnissen der vier Arbeitsgruppen wurde eine kognitive Karte Mojicas erstellt. Sie bietet mehrere Möglichkeiten zum gesellschaftlichen Handeln. Als wichtiges Instrument bietet sie den Akteuren der Fundacion Nacederos Lösungsansätze, die in den kommenden Monaten durch weitere Workshops mit erweiterten Teilnehmergruppen vertieft werden können.
Mit Kindern, Jugendlichen und KunststudentInnen wurde ein gemeinsames Wandbild gemalt, das die Karte Mojicas und die positiven Begriffe darstellt. Das Wandbild soll sich in den kommenden Wochen weiter verändern.

 

Empfehlungen

  1. Als Empfehlung für die Stiftung Nacederos in Mojica sieht die REINIGUNGSGESELLSCHAFT vor allem eine stärkere Einbeziehung der 15-20 Jährigen. Durch Projektarbeit könnten die Jugendlichen angesprochen werden. Wichtig ist es, neue Gruppen anzusprechen und zu erschließen. Es könnten weitere Workshops mit neuen Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchgeführt werden, mit dem Ziel weitere Zukunftsthemen zu erarbeiten.

 

  1. Der Wunsch nach einer Tanzschule wurde geäußert. Diese könnte den Jugendlichen eine wertvolle Beschäftigung und Selbstvertrauen geben. Hier geht es darum, bestehende Ressourcen (z.B. das Obergeschoß der ehemaligen Stiftung) zu nutzen und Personen zu finden, die eigenverantwortlich eine kontinuierliche Struktur aufbauen. 
  1. Eine Fortsetzung der Kooperation mit Studierenden des Institutes de Bellas Artes ist wünschenswert. Die durch die REINIGUNGSGESELLSCHAFT vermittelten Techniken sozialer Praxis können dabei angewendet und in konkreten partizipativen Vorhaben erweitert werden. Hierfür bietet beispielsweise die Textilwerkstatt eine interessante Aufgabe bei der Entwicklung einer Marke für die Gründung einer Kooperative an.

 

  1. Der Wunsch nach mehr grün im Viertel bietet ebenfalls zahlreiche partizipative Möglichkeiten. Mehr grün bedeutet auch bessere Luft und Umweltbedingungen, sowie positive Auswirkungen auf die Gesundheit der BewohnerInnen. Viele BewohnerInnen der ersten und zweiten Generation stammen ursprünglich aus ländlichen Regionen, die durch Subsistenzwirtschaft geprägt waren. Die Weitervermittlung dieses Wissens an die nachkommende dritte Generation könnte beispielsweise durch den Anbau von Nutzpflanzen wie Gemüse, Kräutern aber auch Obstbäumen eine wichtige identitätsstiftende Aufgabe sein.

Das Arbeitsvorhaben wurde als offener Prozess initiiert. Durch den Impuls der REINIGUNGSGESELLSCHAFT bieten sich für die Akteure des Projektes konkrete Möglichkeiten zum Handeln. Das Vorhaben konnte vor allem durch das Engagement und die Unterstützung durch Oscar Ardila, Lorena Diez, Marcela Vallejo, Alberto Campuzano, die Studierenden des Institutes de Bellas Artes, Alexander Gomez, Olaris Peria Olano, Jennifer Quintero, die Stiftung Nacederos, Padre Julio, die Stiftung La Sucursal, La Fundación Nacederos, Instituto Departamental de Bellas Artes Cali, Museo la Tertulia und dem Goethe-Institut Kolumbien realisiert werden.

 

 

 
 
 

 

 
 
 
 
   
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